Apotheke Adhoc: Parenterale Ernährung – Apotheken-Software statt Kostenvoranschlag

Mit einer neuen Software will das Beratungsunternehmen CARENOBLE ein Millionensparpotential für die Krankenkassen erschließen – und die Arbeitsabläufe bei Arztpraxen, Pflegediensten und Apotheken vereinfachen. Das Programm vergleicht Fertigarzneimittel für die ambulante parenterale Ernährung und soll Ärzte bei der Wahl der günstigsten Therapiemöglichkeit unterstützen. So könnte die Einholung eines Kostenvoranschlags entfallen.

Die Verordnungsmöglichkeiten für parenteraler Ernährungslösungen sind nahezu unüberschaubar: Etwa 400 verschiedene Fertigarzneimittel sind in Deutschland zugelassen. Miteinander kombiniert, ergeben sich mehrere Millionen mögliche Verschreibungen. Neben den drei großen Herstellern Baxter, Braun und Fresenius bieten auch viele kleine und mittelständische Unternehmen parenterale Fertigarzneimittel an. Mit seinen Preisvergleichen will Carenoble den hochpreisigen Parenteralia-Markt transparenter machen.

Im Januar ist das Programm „CareSolution“ als Pilotprojekt mit 16 Betriebskrankenkassen gestartet, weitere 40 Krankenkassen haben Interesse angekündigt. Bis zum Herbst soll die Versuchsphase abgeschlossen sein.

In der Arztpraxis legt sich der Patient zunächst auf eine Apotheke und einen Pflegedienst fest, die die Versorgung übernehmen sollen. Anschließend gibt der Mediziner die Ernährungsbestandteile in das Programm ein. CareSolution erstellt eine Liste mit den günstigsten Fertigarzneimitteln. Der Arzt wählt das Therapieregime aus und übermittelt die Daten über das Internet passwortgeschützt an die kooperierende Apotheke und den Pflegedienst.

Der Arzt entlaste mit CareSolution sein Budget und vermeide gefürchtete Arzneimittelregresse der Kassen, heißt es bei Carenoble. Auch Apotheker profitierten von dem Programm, dessen Kosten von den Kassen übernommen werden: Kostenvoranschläge für die Kassen werden überflüssig. Denn die Kassen haben im Vorfeld in der Software hinterlegt, für welche Hilfsmittel die Kosten erstattet werden. „So entfällt das Warten auf die Kassengenehmigung – bis zu zwei Wochen kann es sonst dauern, bis der Patient versorgt werden kann“, sagte Klaus Struck, Pilotprojektteilnehmer und Inhaber der Mohren-Apotheke in Dortmund, gegenüber APOTHEKE ADHOC.

Bei der BKK Hösch, die an dem Pilotprojekt teilnimmt, schätzt man das Sparpotential auf 35 bis 50 Prozent. Bundesweit könnten laut Carenoble jährlich rund 120 Millionen Euro eingespart werden. Eine Erweiterung der Software ist bereits beschlossen: „Der Vergleich von parenteralen Ernährungen ist nur der erste Schritt auf dem Weg zur umfassenden Transparenz des Arzneimittelmarktes“, sagte Carenoble-Geschäftsführerin Nicole Stroh gegenüber APOTHEKE ADHOC. Längst wird mit Kassen eine Ausweitung des Programms diskutiert.

Im Gespräch seien unter anderem Vergleiche von Zytostatika, Hilfsmitteln und Antidiabetika. „Zur Zeit analysieren wir mit den Kassen, welcher Bereich als nächster an die Reihe kommt“, so Stroh. Eine erste inhaltliche Ausweitung soll bis Mitte 2011 erfolgt sein. Bei den Zytostatika könnte Caresolution von gesetzlichen Vorgaben profitieren: Seit der 15. AMG-Novelle soll der Zytostatikamarkt transparenter werden. Seither müssen Apotheken ihre Einkaufspreisen offen legen.

Auch beim für Apotheken leidigen Thema Rabattverträge will CareSolution künftig ansetzen. Ärzte sollen dann die Rabattarzneimittel für ihre Patienten direkt heraussuchen und verordnen. In der Apotheke würde so die Suche nach dem richtigen Arzneimittel erheblich verkürzt werden.

 

Quelle: apotheke-adhoc.de

apotheke-adhoc.de